Podcast "MitMensch" vom Evangelischen Presseverband für Bayern e.V.
Trocken, aber nicht geheilt (Richard Müller)
Veröffentlichung: 31.12.2025
Rezension DVD-Sucht.de vom 10.09.2025
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Buchkritik: "Trocken, aber nicht geheilt – Mein Weg aus der Alkoholsucht" von Richard Müller
Mit seinem autobiografischen Werk "Trocken, aber nicht geheilt" legt Richard Müller einen schonungslos ehrlichen Bericht über seine jahrzehntelange Alkoholsucht vor – und über den langen, steinigen Weg hinaus aus der Abhängigkeit. Es ist ein Buch, das gleichermaßen erschüttert, berührt und Mut macht.
Der Autor, Jahrgang 1958, ist eigentlich Elektroingenieur. Nach vielen Jahren im Beruf und später als Lehrer an einer Fachoberschule in Bayern blickt er nun im Ruhestand auf ein Leben zurück, das lange Zeit von Alkohol bestimmt war. Rund 30 Jahre lang kämpfte er mit der Sucht, erlebte Abstürze, Rückfälle und immer wieder den mühsamen Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen. Erst nach unzähligen Anläufen gelang ihm, was viele schon für unmöglich hielten: die dauerhafte Abstinenz. Heute ist Müller seit mehr als 14 Jahren trocken – ein Zustand, den er selbstbewusst, aber auch demütig beschreibt. Denn trocken zu sein heißt für ihn nicht „geheilt“ zu sein, sondern sich jeden Tag aufs Neue mit der eigenen Vergangenheit und den Verlockungen der Sucht auseinanderzusetzen.
Das Besondere an diesem Buch ist die radikale Offenheit, mit der Müller seine Geschichte erzählt. Er beschönigt nichts, spricht von Rückfällen und den tiefsten Momenten seines Lebens ebenso offen wie von den kleinen Erfolgen, die ihm auf dem Weg in die Abstinenz halfen. Dabei bleibt sein Ton sachlich, klar und niemals weinerlich – gerade diese Ehrlichkeit verleiht der Erzählung eine große Glaubwürdigkeit.
Neben der persönlichen Lebensgeschichte geht Müller auch der Frage nach, warum er überhaupt in die Sucht geriet. Er analysiert die psychologischen und sozialen Faktoren, die sein Trinkverhalten beeinflusst haben: familiäre Belastungen, beruflicher Druck, persönliche Unsicherheiten. Durch diese Reflexion öffnet das Buch den Blick über das rein Biografische hinaus. Es zeigt, dass Alkoholsucht nicht nur ein individuelles Schicksal ist, sondern dass sie sich immer auch im Spannungsfeld von Gesellschaft, Umfeld und persönlicher Prägung entwickelt.
Das Werk ist vergleichsweise kompakt gehalten – rund 140 Seiten –, was der Intensität der Lektüre zugutekommt. Es ist kein ausschweifender Roman, sondern ein konzentrierter Erfahrungsbericht, der auf den Punkt bringt, was entscheidend ist. Der klare Aufbau und die schnörkellose Sprache machen das Buch leicht zugänglich, auch für Leserinnen und Leser, die sich bisher wenig mit der Thematik beschäftigt haben.
Natürlich kann man kritisch anmerken, dass "Trocken, aber nicht geheilt" weniger ein klassisches Selbsthilfebuch ist, sondern in erster Linie eine persönliche Lebensgeschichte. Wer wissenschaftliche Tiefe, therapeutische Modelle oder umfassende Gesellschaftsanalyse erwartet, wird hier nicht fündig. Doch gerade diese Begrenzung macht den Wert des Buches aus: Es ist unmittelbar, authentisch und direkt. Statt theoretischer Abhandlungen bekommt man den unverfälschten Einblick in das Leben eines Betroffenen – und genau das kann für andere Betroffene oder Angehörige enorm hilfreich sein.
Fazit:
Richard Müller hat mit "Trocken, aber nicht geheilt" ein eindrucksvolles, ehrliches und bewegendes Buch vorgelegt. Es ist kein lauter Appell, sondern eine stille, umso kraftvollere Erzählung, die zeigt, wie schwierig und doch möglich der Weg aus der Abhängigkeit sein kann. Für Menschen, die selbst betroffen sind, für Angehörige oder einfach für Leserinnen und Leser, die sich mit den Abgründen und Hoffnungen des menschlichen Lebens auseinandersetzen wollen, ist dieses Buch eine lohnenswerte Lektüre.
Es ist nicht die Geschichte einer endgültigen Heilung, sondern der Beweis, dass ein erfülltes Leben trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Suchtgeschichte möglich ist. Ein Werk, das Mut macht, ohne falsche Versprechungen zu machen
Medienreport.de (Suchtstatus und Alkoholismus 2025)
Trocken, aber nicht geheilt, mein Weg aus der Alkoholsucht. Im R. G. Fischer Verlag ist jetzt zu dieser Thematik eine hochaktuelles Buch von Richard Müller erschienen.
Müller führt in sein Alkoholleben und in seinen - einem möglichen - Ausstieg ein. Richard Müller: Trocken, aber nicht geheilt, mein Weg aus der Alkoholsucht. Sachbuch 2025 by R.G. Fischer Verlag, 144 Seiten, broschiert, 16,90 €, ISBN 978-3-8301-1957-9. Buch- & Autorendaten: buchhandel.de/buch/9783830119579.
In seinem Buch zeigt Richard Müller seinen persönlichen Lebenslauf, seinen Schritt in die Sucht und den mühsamen Weg hinaus, auf. Er wechselt dabei zwischen der lebhaften Erzählung seines Werdegangs und dem theoretischen Hintergrund des Alkoholmissbrauchs ab, so dass das Lesen niemals als anstrengend erlebt wird.
Die Lektüre ist für alle interessant :
für Menschen, die mit Alkohol normal umgehen können. Das Buch bietet einen Einblick ins Abgleiten in die Sucht anhand des Werdegangs des Autors und den Hintergründen, wie es zur Sucht kommen kann.
für trockene Alkoholiker, die die Irrwege und Enttäuschungen nachvollziehen können, die überstanden werden müssen, wobei so mancher an seinen eigenen holprigen Weg bis zur endgültigen Trockenheit erinnert wird.
für nasse Alkoholiker, die kapituliert haben und sich von ihrer tröstenden Flasche abwenden wollen. Es ist für sie wichtig zu wissen, dass der Weg beschwerlich ist und sie insbesondere dazu stehen müssen, dass sie Alkoholiker sind. Der Lohn ist die Befreiung.
für nasse Alkoholiker, als Vorahnung, wie es gehen kann, wieder in die „wahre“ Lebenswelt zurückzukehren.
Richard Müller erzählt seine eigene Geschichte und die Unfähigkeit, mit Gefühlen umzugehen. Während des Studiums machte er die Erfahrung, dass Alkohol seine Trauer und das Gefühl des Alleinseins wegwischte und das Leben erträglicher machte. Dieser „Freund“ hatte ihn bald fest im Griff. Viele Jahre lavierte er beruflich erfolgreich bis der Alkoholkonsum sein Leben beherrschte. Drei stationäre Therapien brachten ihn nicht vom Alkohol ab, bis er sich eines Tages bewusst gegen den Alkohol ntschied, egal was passiert. Das war der Anfang zum endgültigen Abschied von seinem Feind. Richard Müller hörte ohne Hilfe auf und ließ sich in Folge von einem niedergelassenen Suchtherapeuten helfen.
Im laufenden Text seiner Sucht-Autobiographie gibt es Reflexionen zur Entstehung der Krankheit und im letzten Kapitel als „Maxime zum Trockenbleiben“ sein Angebot zur Hilfestellung für andere, die den ernsthaften Entschluss gefasst haben, dem Alkohol zu entsagen.
Richard Müller möchte damit anderen Alkoholkranken am Beispiel seiner eigenen Biografie Mut machen, sich aus ihrer Sucht zu befreien und dazu Hilfe von Therapeuten und Selbsthilfegruppen anzunehmen.
Das Buch behandelt ein schweres Thema, das viele Menschen aller Gesellschaftsschichten betrifft. Durch den klaren Schreibstil ist eine schwere Kost leicht verdaulich. Die authentische und sehr persönliche Darstellung seines Suchtverlaufs berührt Betroffene, Angehörige und Außenstehende. Das Buch ist empfehlenswert für alle, die das Thema Alkoholsucht nachempfinden wollen oder sogar müssen.
Richard Müller spart nach seinen drei stationären Therapien auch jeweils schlimme Rückfälle nicht aus, die er auf zu laxe Kontrollen und zu wenig erfahrene Therapeuten in den jeweiligen Kliniken zurückführt.
Durch Befragung von trockenen Alkoholikern sind teilweise Lockerungen, wie Wochenendausgang, Heimfahrten nach den ersten Wochen üblich; schließlich muss man lernen, in nicht geschützter Umgebung standhaft zu bleiben.
Zu den Selbsthilfegruppen ist anzumerken, dass es nicht nur die „Anonymen Alkoholiker“ gibt, deren Rituale für viele Menschen zu starr sind. Die in vielen Städten entstandenen Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe e.V. oder beispielsweise ein Beratungs- und Behandlungszentrum „EVA“ für Suchterkrankungen
(https://www.eva-stuttgart.de/unsere-angebote/angebot/suchtberatung-und-behandlung) arbeiten etwa eng mit den Freundeskreis-Selbsthilfegruppen zusammen. In den Selbsthilfegruppen werden aktuelle Probleme der Mitglieder besprochen und individualisiert behandelt. Der Autor Müller sieht (nach einem Gespräch) darin jedoch auch die Gefahr von traumatischen Festigungen.
Rezensentin: Sabine Geiger 12.2025
Medienreport Verlags-GmbH – Medienberatung - www.medienreport.de und www.fdm-ev.de.